Monday, March 20, 2006

Die Villa

Zeit, etwas ueber die Villa zu sagen. Gebaut etwa 1890, der oertlichen Legende nach als Liebesnest. Ein reicher Genueser Kaufmann und eine spanische Bourbonenprinzessin (der Teil mit der Prinzessin ist fuer die Maedchen unwiderstehlich). Es ging, solange es ging, irgendwann kreuzte ein spanisches Kriegsschiff vor Varazze und die Prinzessin packte ihre Koffer. Danach wechselte die Villa einge Male die Besitzer, wurde von den Deutschen im Krieg besetzt, nach dem Krieg wuchsen hier die uebriggebliebenen Waisenkinder auf. Als die erwachsen waren, blieb die Villa beim Schweizerischen Roten Kreuz und wird nun als eine Art Herberge und Begenungsstaette fuer Schweizer Berufsschueler genutzt.

Der Park ist herrlich angelegt, aber einen Vollzeitgaertner, der das alles pflegt, gibt es nicht mehr, so dass zur Schoenheit der Anlage der Charme des Verfalls kommt. Palmen, Kakteen, Pinien. Eine Grotte, ein Treibhaus, verwachsene Wege. Eine Steige hinunter zum Meer.



Der Blick. Durch die Baeume endlos. Mimosenduft. Vorfruehling.

Direkt oberhalb der Villa rauscht die Via Aurelia, die alte Roemerstrasse, mit aller Macht vorbei. Vom Turmzimmer aus, das ich heute gefegt habe, ist man quasi Aug in Aug mit den Lastwagenfahrern. Blickt man jedoch in die andere Richtung, glaubt man hinter dem Horizont Lanzarote zu entdecken. Habe ich schon erwaehnt, dass der Entdecker Lanzarotes aus Varazze kommt?

Die anderen Haeuser in der Nachbarschaft sind gepflegte Bungalows, sehr viel Geld aus Mailand und Genua, um dem Grosstadtstaub zu entkommen. Als die Villa gebaut wurde, stand sie ganz alleine da und hiess auch Villa Rocca. Ausserdem hiess sie auch Villa Giorgina, die Prinzessin nannte sie Salice nach ihren spanischen Salzfeldern (wenn sie schon zu Anfang Heimweh hatte, warum hat sie sich dann auf die ganze Sache eingelassen? Scheint, als haette sie in diesem historistischen Kaefig nur auf Vaters Kriegsschiff gewartet...), heute heisst sie Casa Henry Dunant nach dem Gruender des Roten Kreuzes.

Zur symbolischen Raumordnung: Grosse Kutschvorfahrt, Pracht- und Empfangsraeume, winzige Marmorstiege fuers Personal. heute stehen in den Rittersaelen Etagenbetten, die Schweizer nennen das Nordisches Wohnen.

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