Gestern kam Monia zum Babysitten, die Maedchen fingen gleich an, mit ihr zu plaudern und wir zogen ab in die dunstige Nebelnacht. Liefen zum Bubenbergplatz und holten unsere Karten fuer Match Point, den neuen Film von Woody Allen, ab. Nach ausgiebigem Umschauen im Elektronikladen nebenan kauften wir uns ein Bier und versanken in der goettlichen Dunkelheit der Kinohoehle. Waren amuesiert, wie besonders uns so ein Abend vorkommt -uebrigens der erste zu zweit allein ueberhaupt in Bern-, den wir vor den Kindern fuer selbstverstaendlich hielten.
Die Berner machen eine Pause in der Filmvorfuehrung, das war mir schon aufgefallen, als ich Jarmuschs Broken Flowers sah. Da ist gerade Zeit fuer eine Zigarette und noch ein Bier, dann durch die Reihen zurueck auf den Platz. So wird Kino zum abendfuellenden Ereignis - was fuer uns bedeutete, dass wir uns nach dem Film sputen mussten. Also rannten wir los durch die nachtkalte Stadt, nach Hause, wo Monia sich auf dem Sofa eingekuschelt hatte, nachdem die Maedchen sie gnadenlos beim Mensch Aergere Dich Nicht besiegt hatten und zufrieden eingeschlafen waren.
Der Film: Konstruiert, der springende Ball, der springende Ring. Einer hat Glueck, dem wir es nicht unbedingt goennen. Kommt mit dem Mord an zwei Frauen durch. Kann sein Ausfsteigerleben vom Tennisprofi zum Upper Class Manager in London ausleben.
Anfangs liest er Schuld und Suehne: anders als Rodion Raskolnikoff kommt Chris Wilton durch, weil er Glueck hat. Was Boris Gruschenko noch verbal und intellektuell bewaeltigen musste, erzaehlt dieser Film als Geschichte. Die Fragen sind dabei die alten geblieben (Dosotjewski und Strindberg zitiert der Film selbst): existiert Gott? Gibt es eine Gerechtigkeit? Was will ich und was bin ich bereit dafuer zu tun?
Anders als Rodion Raskolnikoff hat Chris Wilton Glueck und entgeht der Strafe, der intuitiv richtigliegende Kommissar Mike Banner wird durch einen Zufall (der springende Ring!) zum Schweigen gebracht. Anders als Raskolnikoff bleibt Wilton die lange Auseinandersetzung mit dem Ermittler erspart. Es fehlt ihm der zweite Teil des Titels: Suehne, Punishment, und damit die Aussicht auf Erloesung, die am Ende von Dostojewskis Roman steht. Entlassung aus der Haft nach Ableistung der Strafe, Sonja wartet auf ihn, die Sonne geht auf. Chris Wilton bleibt im Film dieser Ausgang verwehrt. Wir wissen jedoch nicht, ob er nicht noch seiner Hoehenangst erliegen wird.