Monday, January 30, 2006

Pret a manger, die gewaehlte Aubergine

Warum schmecken Sachen aus dem Internetshop nicht? Die sinnliche Qualitaet der Wahl fehlt. Zu einer Aubergine, die ich aus der Reihe der anderen Auberginen ausgewaehle, habe ich schon eine Beziehung aufgebaut, die sich im Bezahlen, Einpacken und Nach-Hause-Schleppen noch verfestigt. Der Verzehr stellt dann quasi den kroenenden Abschluss einer wunderbaren Freundschaft dar.
Ich bleibe trotzdem dabei, bei coop im Internet zu bestellen und aendere dafuer meine Haltung: Freitag abend ist Ueberraschung angesagt, auspacken und drueber freuen, dass wir es nicht selber schleppen mussten ist die Devise.

Funny hat contest


Parallel zu der grossen Liebe der Schweizer zu ausgereiften High Tech-Produkten ist eine grosse Neigung zu interessanten Wintermuetzen zu beobachten. Meine Familie brachte kurz vor Weihnachten das oben abgebildete Modell mit, das einen Eindruck von dieser Muetzenliebe vermitteln mag. Wichtig ist: die Wolle muss kratzen, vom Gesicht darf so wenig wie moeglich zu sehen sein und der stilistische Kontrast zur Glasfiber-Thermojacke muss moeglichst gross sein. P.S. Seitdem ich diese Muetze trage, habe ich keine Ohrenschmerzen mehr.

Barbara Reiter, Unter der Treppe



Die Schweiz hat so etwas Eigentliches. So etwas Substantielles. Wenn ich in der Apotheke eine Fettcreme bestelle, dann wird sie mir am naechsten Tag gebracht. Nicht einfach irgendwie gebracht, nein, sondern verpackt und adressiert. Und zwar genau adressiert: Milchkasten. Milchkasten oder wie man hier sagt "Miuchchaestli" heisst das kleine Abteil unter dem Briefkasten. Es ist sehr praktisch fuer kleinere Buechersendungen. Oder Fettcreme von der Apotheke.

Friday, January 27, 2006

Loblied auf Vatter

Charlotte musste einen neuen Schneeanzug haben, im vierten Geschaeft wurden wir fuendig. Was wir bei C und A gespart haben, gaben wir bei Vatter fuers Mittagessen aus. Im ersten Stock ueber dem Baerenplatz, esoterisch und sehr reell. Pelzmaentel, Geschaeftsleute und zwischen mein Maedchen mit dem neuen Schneeanzug. Sie gibt mir zu, dass es besser - und gesuender schmeckt als bei MacD. Ein Bild an der Wand: Die Trauminsel, wie uns Frau Vatter erzaehlt, die auch gerade zu Mittag ist, von einem Herrn Fis, eine vertraeumte Zeichnung von einem dickem Karpfen mit Fluggeraet, die 1953 fuer den Zuericher Flughafen entstanden sein soll. Unten uebrigens ein Bio-Supermarkt und oben Wellness und Yoga. Im Sommer ist der kleine Balkon unwiderstehlich, dann schwbst Du ueber dem bunten wilden Markttreiben. Nach dem Essen laufen und hopsen wir und singen dabei, holen Josefine ab und betrachten das Eis auf dem Caecilienwaserspielplatz.

Friday, January 20, 2006

Kino zum Zweiten, Match Point

Gestern kam Monia zum Babysitten, die Maedchen fingen gleich an, mit ihr zu plaudern und wir zogen ab in die dunstige Nebelnacht. Liefen zum Bubenbergplatz und holten unsere Karten fuer Match Point, den neuen Film von Woody Allen, ab. Nach ausgiebigem Umschauen im Elektronikladen nebenan kauften wir uns ein Bier und versanken in der goettlichen Dunkelheit der Kinohoehle. Waren amuesiert, wie besonders uns so ein Abend vorkommt -uebrigens der erste zu zweit allein ueberhaupt in Bern-, den wir vor den Kindern fuer selbstverstaendlich hielten.

Die Berner machen eine Pause in der Filmvorfuehrung, das war mir schon aufgefallen, als ich Jarmuschs Broken Flowers sah. Da ist gerade Zeit fuer eine Zigarette und noch ein Bier, dann durch die Reihen zurueck auf den Platz. So wird Kino zum abendfuellenden Ereignis - was fuer uns bedeutete, dass wir uns nach dem Film sputen mussten. Also rannten wir los durch die nachtkalte Stadt, nach Hause, wo Monia sich auf dem Sofa eingekuschelt hatte, nachdem die Maedchen sie gnadenlos beim Mensch Aergere Dich Nicht besiegt hatten und zufrieden eingeschlafen waren.

Der Film: Konstruiert, der springende Ball, der springende Ring. Einer hat Glueck, dem wir es nicht unbedingt goennen. Kommt mit dem Mord an zwei Frauen durch. Kann sein Ausfsteigerleben vom Tennisprofi zum Upper Class Manager in London ausleben.

Anfangs liest er Schuld und Suehne: anders als Rodion Raskolnikoff kommt Chris Wilton durch, weil er Glueck hat. Was Boris Gruschenko noch verbal und intellektuell bewaeltigen musste, erzaehlt dieser Film als Geschichte. Die Fragen sind dabei die alten geblieben (Dosotjewski und Strindberg zitiert der Film selbst): existiert Gott? Gibt es eine Gerechtigkeit? Was will ich und was bin ich bereit dafuer zu tun?

Anders als Rodion Raskolnikoff hat Chris Wilton Glueck und entgeht der Strafe, der intuitiv richtigliegende Kommissar Mike Banner wird durch einen Zufall (der springende Ring!) zum Schweigen gebracht. Anders als Raskolnikoff bleibt Wilton die lange Auseinandersetzung mit dem Ermittler erspart. Es fehlt ihm der zweite Teil des Titels: Suehne, Punishment, und damit die Aussicht auf Erloesung, die am Ende von Dostojewskis Roman steht. Entlassung aus der Haft nach Ableistung der Strafe, Sonja wartet auf ihn, die Sonne geht auf. Chris Wilton bleibt im Film dieser Ausgang verwehrt. Wir wissen jedoch nicht, ob er nicht noch seiner Hoehenangst erliegen wird.

Thursday, January 19, 2006

In Bed with Bill Bryson

Kaum jemand hat mich in den letzten Wochen so viel zum Lachen gebracht wie Bryson in seiner Darstellung der Irrungen und Wirrungen der Menschen, ihre Welt wissenschaftlich zu erschliessen. Allein die Versuche, das Alter der Erde zu bestimmen, sind eine Geschichte, ganz abgesehen von den herrlichen Exzentrikern, die damit angefangen haben. Auch kurz vor Mitternacht haelt mich Naturwissenschaft auf diese Weise wach.

Friday, January 13, 2006

Freitag der 13.

Bei unglaublich schoenem Wetter mit blauem Himmel und klarem, sich ankuendigendem Vollmond, liegen wir alle darnieder. Die Maedchen schliefen freiwillig ein! Der Kater haelt Wache an unseren Krankenbetten. Lukas brachte Vorraete an Cola, Salzstangen und Zwieback mit, sank dann ins Bett, um hohes Fieber zu bekommen. Alles schlaeft jetzt, ausser mir, denn ich habe einfach zu viel Cola getrunken.

Wednesday, January 11, 2006

Januar, Eis und Sonne

Das affirmative Verhaeltnis der Schweizer zu Eis und Schnee auch auf innerstaedtischen Strassen und Gehsteigen macht das Spazierengehen recht abenteuerlich. Ueber dem Hochnebel soll es schoen und sonnig sein. Josefine ist krank, nach einer ziemlich schlaflosen Nacht konnte ich sie fuer 2 Stunden in ihre Kita bringen, um zu unterrichten. Habe die Sitzung mit einer Gegenueberstellung von Fuersorge- und Gerechtigkeitsethik begonnen, was uns einen guten Einstieg in den capabilities-Ansatz gab, der heute Thema im Rawls-Seminar war. Josefine war und ist sehr tapfer, morgen bleibt sie im Bett, bis sie wieder bei Kraeften ist. So muede wie ich bin, gilt das fuer mich auch... Cola und Salzstangen fuer alle.

Monday, January 02, 2006

Silvesternacht



Das Aufregendste war das Mensch-Aerger-Dich-Nicht-Spiel. Der Erwachsenen wohlgemerkt, die Kinder spielten friedlich auf dem Teppich. Und dann natuerlich die Schwammtierchen, s.o., die sich nur langsam aus ihren Gelkapseln loesen wollten (offenbar nimmt man eigentlich heisses Wasser...) und eine Art ungefaehrliches Bleigiessen darstellten. Elke hatte an bengalische Lichter fuer die Maedchen gedacht und das Dach ueber dem Balkon schuetzte uns vorm Nasswerden. Denn es regnete die sprichwoertlichen Katzen und Hunde, so dass wir nicht auf den Platz vor der Friedenskirche hochwandern mussten, der offenbar obligat ist. Weitere Aufregungen bot das Katzenfuettern bei Nachbarn, einmal schloss die Tuer nicht (typisch zerstreute Philosophen oder wie man einen Ruf verliert) - Pech fuer uns; einmal wurde die schwarze Katze Lavazza in der Garage von uns gefunden - Glueck fuer die Katze. Ein wunderschoener Nachmittag in Gunten schloss den Besuch der Freunde aus Bremen ab. Besonders fuer Charlotte war das ausgedehnte Spielen mit Merle Seelenbalsam. Tags drauf warteten unsere Schreibtische in bewaehrter Halbtagsmanier: morgens ich die Kinder, nachmittags Lukas.