Thursday, March 30, 2006

Regen Regen Regen

Wenigstens befinden wir uns im Ueber-Null-Bereich.

Waschen, Aufraeumen, Einkaufen. Kochen, Aufraeumen, Waschen. Zwischendurch geniesse ich ein paar Schreibtischstunden. Semesterbeginn. Wieder Regelmaessigkeit. Und Ordnung. Wie auch anders bei 5 Leuten, von denen einer eine Katze ist?

Charlotte hat gestern ihren 6. Zahn verloren, viel Blut und grosse Aufregung. Die Zahnfee brachte neue Plueschkatzen. Die Maedchen freuten sich sehr, auch wenn sie uns die Zahnfee nicht abnehmen, nehmen sie doch der Zahnfee gerne Geschenke ab.

Umberto Eco auf Drogen

Dieses Bonmot eines Journalisten ueber Dan Brown ist sehr treffend. Habe vor einigen Tagen Angels and Demons gelesen, leichtsinnigerweise, statt zu schlafen, bis morgens um 2, konnte aber nicht aufhoeren, weil die Geschichte mich nicht liess. Dabei ist das Buch unglaublich einfach gestrickt und genauso wie der Da Vinci Code: Langdon, der Harrison Ford in Harris Tweed, steht mit attraktiver Frau vor Kulturguetern, sie raetseln, dann Action, dann raetseln, dann Action, wobei selbst der gemeinste Killer von diesem Ausnahmewissenschaftler zur Strecke gebracht wird, dabei werden verschiedenste Klatschgeschichten vom Harvardcampus aufgearbeitet. Die auftauchenden Charaktere sind nie, was sie scheinen, wie interpretierte Symbole zeigen sie immer erst ihre wahre Bedeutung, wenn eine Geschichte aus ihrer Kindheit preisgegeben wird.

Wenn ich es mir so ueberlege, ist es extrem unwahrscheinlich, dass ich diesen Roman an einem Abend verschlungen habe. Muss am Thema liegen, an der Weise, wie der Autor es schafft, interessante Technologien und historische Inhalte zu veranschaulichen. Ach ja. Mit dem Gral ist es ja aehnlich: die Autoren anderer Buecher sollten froh sein, dass jemand sie zusammenfasst, und nicht prozessieren.

Wednesday, March 29, 2006

Ligurien



www.varazze.ch

Sonnenverfinsternis

Es ist gar nicht einzusehen, dass es Sonnenfinsternis heissen soll, schliesslich ist der Mond viel finsterer und die Sonne strahlt ganz hell. Zumindest sollte es VERfinsternis heissen, weil die Sonne ja verfinstert WIRD und nicht selbst finstert.

Tuesday, March 28, 2006

Back in Bern

Sommerzeit, Regenwetter, Semesterbeginn. Allein das Vermeiden des Verschlafens kostet meine ganze Kraft. Waere nicht die neu erstarkte Lust an der Arbeit und das gut angelaufene Seminar, dann wuerde ich ganz in Fruehjahrsmuedigkeit ertrinken.

Wednesday, March 22, 2006

Genua, Gartenarbeit

Wir waren nur im alten Hafen, trotzdem haben wir das Gefuehl, Genua kennengelernt zu haben. Und mehr sehen zu wollen, die Stadt scheint vielschichtig und lebendig zu sein. Am alten Hafen allerdings fuehlten wir uns mit den beiden Maedchen nicht ganz geheuer, auch wenn die kleinen Gassen und broeckelnden Barockfarben und Durchgaenge sehr lockten.

Im Aquarium haben wir einen Delphin betrachtet, der uns ganz nahe kam, eine Riesenschildkroete, Quallen und viele, viele Fische.

Das Piratenschiff, das fuer die Filmarbeiten des Polanskifilms gebaut wurde und nun ebenfalls im alten Hafen von Genua liegt, ist ganz und gar unecht, das einzig echte sind die Proportionen und der viele Regen, der merken laesst, wie unangenahem so ein Schiffsaufenthalt gewesen sein muss. Und echte Piraten sind die Leute an der Kasse, die einen enormen Eintritt verlangen.



Das sogenannte Meeresmuseum sollte eigentlich Genua und das Meer heissen, wird doch hauptsaechlich Stadtgeschichte erzaehlt. Das allerdings sehr gut, die Nachbauten der verschiedenen Schiffe sind faszinierend. Besonders spannend fand ich die Galeeren und die vielen Hinweise auf das gesunde Leben der Gaeleerensklaven, die 70 Jahre alt wurden. Was doch das Leben an der frischen Luft und mit viel Bewegung bringt...

Auf dem Weg zum Auto bewundern wir die Beute der Fischer, die in Holzsteigen angeboten wird, Ein Seeal lebt noch und die Fischer haben ihre helle Freude an den entsetzten Gesichtern der Maedchen,

Heute morgen habe ich den armen Rosmarin von Schling- und anderen Ekelpflanzen befreit, das Beet vor dem Haus entunkrautet und gehackt. Nach dem Regen gestern war es wunderbar, in der Erde herumzuwuehlen und den feinen Rosmarinduft zu atmen, das Meer zu sehen. Habe keinen toten Soldaten gefunden, wie Lukas geunkt hatte. Habe aber auch sehr vorsichtig gehackt. Dafuer habe ich die Kakteen zu spueren gekriegt, die wirklich schmerzhaft sein koennen, meine Hand fuehlte sich sogar wie gelaehmt.

Die Liebesnest-These schient mir immer unhaltbarer: wer wuerde solche ekligen Stachelpflanzen ueberall hinsetzen? Liebe, romantische zumal, schreit doch nach anderen Pflanzen.

Monday, March 20, 2006

Die Villa

Zeit, etwas ueber die Villa zu sagen. Gebaut etwa 1890, der oertlichen Legende nach als Liebesnest. Ein reicher Genueser Kaufmann und eine spanische Bourbonenprinzessin (der Teil mit der Prinzessin ist fuer die Maedchen unwiderstehlich). Es ging, solange es ging, irgendwann kreuzte ein spanisches Kriegsschiff vor Varazze und die Prinzessin packte ihre Koffer. Danach wechselte die Villa einge Male die Besitzer, wurde von den Deutschen im Krieg besetzt, nach dem Krieg wuchsen hier die uebriggebliebenen Waisenkinder auf. Als die erwachsen waren, blieb die Villa beim Schweizerischen Roten Kreuz und wird nun als eine Art Herberge und Begenungsstaette fuer Schweizer Berufsschueler genutzt.

Der Park ist herrlich angelegt, aber einen Vollzeitgaertner, der das alles pflegt, gibt es nicht mehr, so dass zur Schoenheit der Anlage der Charme des Verfalls kommt. Palmen, Kakteen, Pinien. Eine Grotte, ein Treibhaus, verwachsene Wege. Eine Steige hinunter zum Meer.



Der Blick. Durch die Baeume endlos. Mimosenduft. Vorfruehling.

Direkt oberhalb der Villa rauscht die Via Aurelia, die alte Roemerstrasse, mit aller Macht vorbei. Vom Turmzimmer aus, das ich heute gefegt habe, ist man quasi Aug in Aug mit den Lastwagenfahrern. Blickt man jedoch in die andere Richtung, glaubt man hinter dem Horizont Lanzarote zu entdecken. Habe ich schon erwaehnt, dass der Entdecker Lanzarotes aus Varazze kommt?

Die anderen Haeuser in der Nachbarschaft sind gepflegte Bungalows, sehr viel Geld aus Mailand und Genua, um dem Grosstadtstaub zu entkommen. Als die Villa gebaut wurde, stand sie ganz alleine da und hiess auch Villa Rocca. Ausserdem hiess sie auch Villa Giorgina, die Prinzessin nannte sie Salice nach ihren spanischen Salzfeldern (wenn sie schon zu Anfang Heimweh hatte, warum hat sie sich dann auf die ganze Sache eingelassen? Scheint, als haette sie in diesem historistischen Kaefig nur auf Vaters Kriegsschiff gewartet...), heute heisst sie Casa Henry Dunant nach dem Gruender des Roten Kreuzes.

Zur symbolischen Raumordnung: Grosse Kutschvorfahrt, Pracht- und Empfangsraeume, winzige Marmorstiege fuers Personal. heute stehen in den Rittersaelen Etagenbetten, die Schweizer nennen das Nordisches Wohnen.

Sunday, March 19, 2006

mare nostrum

Wir sind in Italien. Nach nur vier Stunden waren wir da, auf der Fahrt hoerten wir eine WDR-Produktion von Momo, Charlotte meckerte, dass es "ganz anders als im Fernsehen" war, wollte aber, gebannt wie sie war, keine Sekunde versaeumen. Josefine schlief. Charlotte ass nur trockene Broetchen. Kein Wunder, die beiden waren schon Tage lang so aufgeregt gewesen: Italien, Alpen, Meer, das Prinzessinnenschloss. Neue Kleider, neue Buecher, neues Malzeug.

Die Fahrt uber die Alpen fand ich atemberaubend. Schon 40 Minuten nach Bern, am See, faengt es an, bergauf zu gehen. Und dann geht es immer weiter bergauf, bis nur noch Schnee zu sehen ist, kleine Huetten zum Erbarmen (warum sind Menschen irgendwann mal hier hinaufgezogen?), dann der lange Tunnel von San Bernardino, und dann geht es wieder hinunter, immer hinunter, bis die weissen Felder Erinnerung sind und kein Schnee mehr liegt, das Autothermometer 11 Grad zeigt, die Landschaft flach wird. Unglaublich flach. Die einzigen Erhebungen sind die Kolchosenartigen landwirtschaftlichen Anwesen. Die Kirchtuerme. Es muss die Heimat von Don Camillo und Peppone sein. Dann wieder Berge, erstaunliche Bruecken und schliesslich das Meer.

Das Meer.

In friedlicher Umarmung liegen Land und Wasser beieinander. Das Possessivpronomen nostrum muss von dieser Freundlichkeit kommen, das wurde mir gestern klar, als wir die alte Autostrasse direkt am Wasser entlang liefen. Es ist kein aggressiver Besitzanspruch, der da zum Ausdruck kommt, vielmehr ist es Ausdruck der geradezu verwandtschaftlichen Beziehung. Oder freundschaftlich, Die hellen Farben, die ausgeleckten Steine, die vielfachen Uebergaenge. Anders als der Atlantig, der sofort ganz kalt wird. Wir sind uns einig: das ist hier mindestens so schoen wie am Thuner See.

Wednesday, March 15, 2006

Fasnacht







Wieder ist das Schatzkaestchen Buehne fuer heidnisches Treiben, besonders schoen vor der Fassade des Muensters. Es stellt sich die Frage, WIE christianisiert Bern eigentlich ist. Wir uberlegen, als was wir naechstes Jahr gehen wollen... Besser wir entscheiden uns bald, denn die Kostueme sehen alle so aus, als muesse man monatelang an ihnen arbeiten.

Schriftgeschichte

Wunderbares Buch von Axel Bertram: Das Wohltemperierte Alphabet. Schoene Streiflichiter auf die Futura von Paul Renner, die wir im Westhafen verwendet haben, allgemein zur Entwicklung der Grotesken. Die richtige Mischung aus Gemochtem, Gelesenem und Nachgeschauten, getragen von der Uberzeugung, dass Schriftgestaltung beim Sehenkoennen anfaengt. Die neueren Wessis fehlen: Weidemann, Spiekermann. Dafuer gibt es den Meister E.S. und Duerer und Holbein. Ein wunderbares und schoen gedrucktes Buch. Makes my day to read it before breakfast. Danke Joachim!

Im Kunstmueum Bern

Ein altes Haus aus dem 19. Jahrhundert, klassizistisch, am Fluss, die alten Meister mit Blick auf kahle Baeume vor dem Fenster, ruhige Hallen, Cezannes Selbstportraet, franzoesische Landschaften, hollaedisches Obet, Alpen und Hodler. Bonnard und Cezanne sind mir lieb: sie blieben zu Hause und taten das, was ihnen wirklich wichtig war, malen. Ich mag die Haltung, die Reduktion und Konzentration. Die Einfachheit davon.

Oben aufwendige Arbeiten von Franz Gertsch, Schmelzwasserstrukturen ganz nah, neue chinesische Arbeiten, industriell und voller Musik, mir gefallen die kuenstlichen Kirschblueten.

Insgesamt ein wunderbarer Ort, besonders die Alten am Fluss, erinnert an Bremen, ich bin froh, dass es das hier auch gibt und werde noch oft hingehen.

Allgemeine Verlangsamung

Liegt es an der Kaelte? An den Schneeresten in allen Ecken? Oder daran, dass ich immer noch erkaletet bin? Oder scheint mir die Zeit nur so lang, weil ich schreiben will? Die unendliche Verzoegerung des Fruehlings scheint ein europaeisches Phaenomen zu sein. Auch die Bilder, die ich seit Tagen hochzuladen versuche, wollen nicht. Vielleicht muss ein neues blog her, damit es schneller geht. Schauen wir mal. Ich bin froh, dass wir bald fuer ein paar Tage nach Italien fahren, das Meer sehen und ich nicht koche, auch wenn das heisst, dass ich vorher packen muss.

Sunday, March 05, 2006

Charlottes Tierstudien



Nach einem Bild von Paul Klee im Kindergarten entstanden. Leider fiel das Original bald nach der Aufnahme einem sehr lieben, aber auch immer hungrigen Labrador zwischen die Zaehne. Charlotte liess sich mit einem Lindt-Osterhasen troesten, allerdings erst nach heftigem Weinen: Ich hatte mich so darauf gefreut, ihn zu fuehstuecken! Fuer gute Augen: Elefant ist
schwanger.



Ein Einhorn in Gold und Silber.

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Weiterentwicklung des Elefantenmotivs: Baby im Schutz der Mutter.

Alle tragen Kronen.



Josefine malt gerne Prinzessinnen. Und der Fairness halber bekommen alle Kronen: das Pferd, auf dem die Prinzessin reitet, das Haus, in dem die Prinzessin wohnt, die Sonne, die auf die Prinzessin scheint. Neulich sagte sie mal, sie wolle eine Prinzessin werden, wenn sie gross ist. Als ich sie dann fragte, ob sie nochb ei uns wohnen koenne, wenn sie so vornehm sein, schuettelte sie den Kopf, als haette ich etwas wirklich Dummes gesagt und erklaerte mir: Mama, wann ich Prinzessin, dann wir alle wohnen Schloss.

Unglaublich leckere Schokoladen.

Friday, March 03, 2006

Alpine Nationalvokabeln

Neulich hatte ich ein Gespraech mit der Dame aus dem kleinen Laden am Caecilienplatz. Sie zeigt sich erstaunt ueber einige Woerter, die Oesterreicher benutzen, um Dinge des Alltags, besonders im Lebensmittelbereich zu bezeichnen. Offenbar hatte sie tags zuvor einen Bericht im Radio darueber gehoert und wollte mit mir nun das Kopfschuetteln teilen: Stellen Sie sich vor, die sagen dem Quark Topfen. Und zu Aprikosen Marillen. Zugegeben, das sind eingentuemliche Woerter, es kommt ja noch das besondere Obers fuer Schlagsahne dazu.

Mein hochdeutsches Herz jedoch schlaegt auch langsamer, wenn ich lese, dass die Schweizer eine Katze Das Buesi nennen. Und wie kann ich das Entsetzen einer Lebensmittelverkaeuferin ueber andere cisalpine Namen ernstnehmen, wenn sie es zugleich voellig normal findet, zu roten Rueber Randen zu sagen und zu gruenen Erbsenschoten Keften??

Das schwierige Verhaeltnis zum oestlichen Nachbarn spiegelt sich ueberigens auch in den Preisen fuers Telefonieren, bei teletel.ch liegt der Tarif fuer Oesterreich weit uber dem fuer Amerika, Deutschland, Australien und eigentlich alle weit entfernten Laender dieser Welt.

Thursday, March 02, 2006

Ist Narnia das Paradies?

Alle tot. Alle in Narnia. Im ECHTEN Narnia. Alle vereint, vertrau Platon, die Idee zaehlt. Aslan sagt es ihnen: railway accident.

Im Inneren lebt das Paradies, in der Vorstellung, die Ideen siegen ueber das Schattenland, die Macht des Guten und der Imagination. Das ist sehr schoen. Aber wie soll ich das Charlotte beibringen??? Fuer sie ist das hiesige Leben ganz ok.

Bin bloss froh, dass ich vorsichtshalber schon mal voraus gelesen habe... Auch der viele Mord- und Totschlag des letzten Bandes ist grenzwertig. Keine Ahnung, was CS Lewis sich dabei gedacht hat, das Kindern anzubieten. Ts.

Schoenes Bild jedoch von den groesser werdenden Raeumen, je weiter Du nach innen gehst: Eine Zwiebel mit immer neuen Haeuten, statt enger wird es weiter.

Heute ist mein erster kinderfreier Vormittag seit einer Woche. Fuehlt sich gut an. Sehr gut. Raum zum Arbeiten. Draussen wechsel waagrechter Schnee mt sonnigen Abschnitten. Gleich hole ich Charlotte ab und wir fahren nach Koeniz zu Migros, Vorraete aufstocken. vorher baue ich noch ein Narnia-Zitat in den Vorspann zum dritten Kapitel.

Wednesday, March 01, 2006

Das erste halbe Jahr

Heute vor sechs Monaten sind wir hier angekommen. Haben unsere Moebel aufgestellt, die Kisten ausgepackt und losgelegt. Uff. Ein ziemlicher Spannungsbogen und heute, nach einer Woche mit der kranken Josefine zu Hause, fuehlt es sich so an, als sei es eher anstrengend gewesen. Passend zum Jubilaeum kommt die erste Supercardpraemie mit der Post: das neue Familien-Nagel-Necessaire - wenn das keine Bestaetigung unseres Hierseins ist!