Saturday, July 29, 2006

Vorsicht Killerkatze.



Am Abend vor Charlottes Geburtstag brachte Finnigan seine erste Beute die Katzenleiter hoch, durchs Badezimmertürchen in die Wohnung. Stolzes, kräftiges Miauen begleitete sein Tun. Zunächst lebte der Vogel noch, floh unter die Betten im Kinderzimmer. Ich hatte ihn erst gar nicht bemerkt und wunderte mich über den neuen Klang der Katzenstimme und warum Finnigan freiwillig ins Kinderzimmer geht. Dann rief Charlotte: Finnigan hat einen Vogel! und überall Federn. Da war die Beute schon tot, wir entsorgten sie, saugten die Federn weg und versuchten, Finnigan zu loben, der gar nicht verstehen konnte, dass wir uns nicht freuten. Mit materiellen Gegengaben (Whiskas) täuschten wir ihn über unser Entsetzen hinweg und gestehen uns ein, dass er nun erwachsen ist.

Friday, July 28, 2006

Der Blick auf den schwarzen See: Biel am Abend.

Gestern mussten wir mal raus aus Bern. Rein ins Auto, rauf auf die Autobahn, Richtung Biel. Gewitter in Bern, sturmähnlicher Wind und Blitze.
Biel erst mal Geldautomat. Chinesisches Restaurant. Sauer-Scharf-Suppe, Kommentar der Chinesin: noch nicht warm genug?
Herrlich: der Bauch voll mit NICHT Selbstgekochtem! Spazieren an der Promenade, rauschender Regen, Bitter Lemon im Strandlokal, Gang am Wasser.
Caipirinha in der Baralaplage: die Menschen hier sehen aus, als kämen sie regelmässig her. Ts. Und gingen regelmässig aus. Ts ts. Im Geäst der Riesenplantagen hängen grosse runde Lampen, die von weitem wie der Mond aussehen. Die Äste bilden des tonnengewölbte Dach. Aus ihnen tropft es noch vom Regen. Der See streckt sich wie eine schwarze Platte vor uns aus. Es ist schön den See so zu sehen, so ruhig und glatt und dunkel. Am rechten Rand sind die Lichter: ruhige, die bleiben und flackernde von fahrenden Autos.

...was vom Tage übrig blieb.

Schokoladenkuchen.



Es gab auch Muffins (Schokolade), Chips und Möhren und Spiele und Apfelsaft und Topfschlagen und eine Tischkanone und Gummitierchen und Wackelbilder und Mehlschnappen und Wetttauchen und stundenlanges Aufräumen und vorher tagelanges Rumrennen und ausreichend leuchtende Kinderaugen, die es die Mühe wert sein liessen.

Josefine feiert auch.

Charlotte wird sieben.

"Heimlifeiss"

Dieses eigentümlich berndeutsche Wort ist mir vor einiger Zeit begegnet und bringt gut zur Geltung, wie einfallsreich und eigenartig die hiesige Sprache ist.

Dorette Fischer hat mir eine schöne Beschreibung dafür geschickt, die ich diesem Blog nicht vorenthalten will:

Es drückt sowohl Negatives wie Positives in einem aus und sagt nicht abschliessend, welches überwiegt.

Das Wort und das Gefühl, dass damit ausgedrückt wird, ist interessant im Zusammenhang mit dem frühkindlichen Egoismus, dem wir heute in der Veranstaltung begegnet sind. Kleine Kinder haben in der Untersuchung gesagt, dass man sich gut fühlen kann, auch wenn man eine moralische Regel übertreten hat, und zwar deshalb, weil man bekommen hat, was man wollte. Piaget hat in seinen Untersuchungen auch gefunden, dass Kinder Lügen schlimmer empfanden, wenn die Chance
besteht, dass man dabei entdeckt wird. Also auch da, wenn man bekommt, was man wollte, ohne dass das zu Sanktionen führt, ist es ok.

Heimlifeiss (es gibt natürlich keine strikte Regel für berndeutsche Schreibweise, aber ich würde es so schreiben) beinhaltet heimlich und feiss oder fett. Oder anders ausgedrückt, man hat heimlich für sein eigenes Wohl gesorgt. Man kann
die Geschicklichkeit und Klugheit, für sich selbst zu sorgen bewundern und gleichzeitig das Heimliche oder Egoistische daran verurteilen.

Diese Ambivalenz, die wir als Erwachsene dem gegenüber haben, ist interessant auch im Zusammenhang mit den zwei, scheinbar entgegengesetzten Menschenbildern beziehungsorientiert/fürsorglich und autonom/egoistisch. Scheinbar ist keines von beiden nur negativ bzw. nur positiv. Oder anders ausgedrückt, wie soll man lernen fürsorglich andern gegnüber zu sein, ohne "egoistisch" für sich selbst sorgen zu können? Und wie sollen wir für unser eigenes Wohl sorgen können, wenn niemand bereit ist zu geben, sondern bloss für sich nimmt?

Monday, July 24, 2006

Die Spur der Steine

Wieder in der Aare. Diesmal bis hinter den Tierpark gelaufen. Dort macht der Fluss eine Kurve und ist recht wild. Musste ordentlich schwimmen, bis ich in der Mitte war. Hatte die Sandalen angelassen, um mir nicht wieder die Fussohlen zu verbrennen. Mit ein paar Schwimmzügen konnte ich alle überholen, es ist schön, so schnell zu sein, sich dem Strom anzuvertrauen.

Das Sirren war wieder da und dieses Mal verstand ich, woher es kommt: es sind die Kiesel am Grund des Flusses, die die Strömung hin- und herbewegt.

Friday, July 21, 2006

Clara Ahoi!

Thursday, July 20, 2006

Hitzebilder



Ok, das Bild von den schmelzenden Stunden war nicht soo toll, dachte ich auch schon, als es mir einfiel. Mir fiel auch ein, dass Dali Spanier sein musste, um schmelzende Uhren malen zu können. Und bei den yahoo.News hat tatsächlich jemand die Schlagzeile verbrochen "Brütende Hitze rollt weiter über Deutschland" - das ist ein wirklich schlechtes Bild, denn wenn etwas brütet, dann rollt es nicht.

Gestern im Freibad lag ein Ölfilm auf dem 50m Becken.

Wednesday, July 19, 2006

Ferienwochen

Die zweite Ferienwoche ist in ihrer Mitte. Ich versorge die Nachbarskatze. Kaufe wieder im Bioladen und fange schon an, mich besser zu fühlen. Training. Zweites Kapitel. Das zweite Kapitel beschäftigt mich nun seit April und erst jetzt merke ich, dass ich es schreiben kann. Natürlich bleibt es mühsam, auch wenn es grossen Spass macht. Es ist sehr heiss und später gehen wir schwimmen. Es ist die Langeweile, die die Ferien erst zu Ferien macht. Das Zerdehnen von Zeit, die in der Hitze schmilzt.

Weltwochen

Das nachbarschaftliche Leben hat einige alte Ausgaben dieser Schweizer Wochenzeitungen bei mir angespült. Ich sperre die grelle Sonne aus und lese, nachdem der Rest der Familie zu Ikea aufgebrochen ist. Einen Artikel über Manfred Eichers ECM, der mir sehr gut gefällt. Er zitiert mein Lieblingszitat von Baudelaire über die Moderne, das Vorübergehen und den Zufall. Wesentlich in der Postmoderne geht. Das ist gut. Ein Artikel über Grey´s Anatomy. Überhaupt Krankenhausserien! Einer über Harry Frankfurts On Bullshit. Eine schöne Zeitung. Sie kann ruhig eine Weile liegen und wird nicht schlecht ofer langweilig.

Tuesday, July 18, 2006

Josefine malt



Mit grosser Sorgfalt mischt Josefine Deckfarben und trägt sie auf den Bildträger auf. Sie gibt sich nach eigener Aussage VIEL Mühe und ist sehr stolz auf ihr Werk.

Der Bildträger ist eine Plastikschüssel, die in der Küche ständig gebraucht wird. Die Lösung dieses Dilemmas dauert 20 Minuten. Josefine: Ich mir sooooolche Müüüüüühe machten. Ich: Die Schüssel brauchen wir in der Küche. Josefine: Sooooolche Müüüühe. Ich: In der Küche. Josefine: Mühe. Ich: Küche.

Am Ende wird daraus Josefines erste Leinwand. Ich schneide ein weisses Küchentuch entzwei und wir machen einen Abdruck der nassen Farben. Mittwoch bei Ikea gibt es dann einen Bilderrahmen dafür.

Monday, July 17, 2006

Ende des Schuljahrs





Nicht gerade durchgetanzt, aber bestimmt durch. Wie unser erstes Schuljahr hier in Bern.Noch 4 Wochen, dann kommt Charlotte in die Schule und Josefine in den staatlichen Kindergarten, der eigentlich so eine Art Vorschule ist.

Finken heissen die Hausschuhe hier. Das war das erste berndeutsche Wort, das wir lernten.

Aprikosen



Am Spalier des Nachbarhauses wachsen diese wunderschönen Aprikosen. Ihre Farbe wiederzugeben ist unmöglich, dennoch der fotografische Versuch. Ich freue mich jeden Morgen an ihnen, wenn ich auf den Balkon trete. Der Nachbar erntet sie gerade, ich werde ihr Leuchten vermissen.

iPod

Gestern war es so weit. Ich habe meinen iPod ausgepackt. Ans iBook gehängt und der Rest ging von alleine. Wow. Es gibt technischen Fortschritt. Zugleich archaisch: ich muss keine Anleitung lesen, um ihn zu benutzen. Das kleine Wunderding erklärt sich selbst. Jetzt habe ich 60 Gigabyte in der Hosentasche. Alle meine Musik, meinen neuen Film und wenn ich will, auch alle meine Fotos. Ich weiss, es klingt wie ein Werbespot für Apple, aber das sei ihnen gegönnt, denn verdient ist verdient.

Sunday, July 16, 2006

the pitfalls of rational choice

Lukas bringt uns Bücher mit. Von Stauffacher, Hmm. Ich mag Bücher. Aber von Stauffacher heisst: nichts aus dem KaDeWe. Und ich weiss, dass er im KaDeWe war. Schliesslich habe ich ihn selbst hingeschickt, wegen des Barbieschlosses für Charlotte. Wenn es im KaDeWe keins gibt, dann gibt es keins. (Jetzt bekommt sie eine Barbievilla. Und zu Weihnachten das Schloss. Ich hatte keine Ahnung, dass Mattel so saisonabhängig anbietet.)

Doch zurück zu Nick Hornby. Dessen letztes Buch war nämlich im Stauffacher-Päckchen.

Sie kam und blieb.

Gestern um 4 am Nachmittag kam Amelia. Erst mal, um ein bischen zu reden. Sie blieb dann bis 7 und die Wohnung dankt es ihr. Sie hat eine gute Energie, in Brasilien war sie Dekorateurin. 3 erwachsene Söhne und ihre Mutter unterstützt sie. Sie war auch ein halbes Jahr in New Jersey bei ihrer Schwester, aber sie mochte es nicht. Ich hoffe, sie kommt wieder. Speziellen Dank an Barbara Berger für die Feenvermittlung!

Windschatten

Ich gebe es ungern zu, aber Joschka Fischer hat recht: dieses Buch will in einem gelesen werden. Und am Ende war ich böse, dass es so schnell aus war. Danke für das Happy End auch, nach einer schlaflosen Nacht kann ich das verlangen, finde ich.

Und danke an Christiane, die es mir zum Geburtstag geschenkt hat!

Zafon schreibt unpraetentioes, das gleicht die wilde Geschichte aus. Es gibt eine Langsamkeit des Wesentlichen, die gut tut. Fast ohne es zu merken, werden wir aus der Zeit des Terrors ins heute geführt. Plastisch sind die Vorstellungen, die mir bleiben. Das liegt bestimmt nicht nur daran, dass ich mal ein paar Tage in Barcelona war.

Ich war im Fluss, ich war im Fluss

Der Kern von Bern.

4 Bier und zu viele Zigaretten unter einem Kastanienbaum. Im Mondschein auf dem Rad nach Hause. Das war Montag. Und dann Mittwoch: Aareschwimmen.

Nach kurzer Probe (schaffe ich es rein, schaffe ich es raus? Knie anziehen! Körper flach halten!), - das Wasser scheint gar nicht kalt, trotz seiner gebirgigen Herkunft hat es bald 20 Grad - zu Fuss vom Marzili Richtung Dählhölzli, unter der Monbijoubrücke durch, am Volleyballfeld vorbei, im Fluss ziehen dicht an dicht die mal juchzenden mal ernsten Gesichter vorbei.

Die nackten Füsse sinken in den weich gewordenen Teer des Wegs ein. Ein Strom von Menschen in Badekleidung zieht stromaufwärts. Immer wieder steigt ein Trüppchen, auch Einzelne, die Treppen hinunter in die Aare.

Schliesslich auch ich. Einige kräftige Züge weg vom Rand, wo knieschädigende Steine lauern (danke an Elke für die Warnung noch am Ufer!). Dann in der Mitte, wo die Stömung am stärksten ist. Aaaaaah. Unter der Brücke durch. Welch Tempo. Über der Wasseroberfläche weht ein leichter Wind, der dem Gesicht an diesem heissen Tag angenehm ist. Ein leichtes Sirren liegt über dem Wasser.

Ausstieg beim Marzili. Alles kommt mir so langsam vor. Besonders die mühsamen Züge im Becken, wo keine Strömung mir unter die Arme greift. Und über uns das Bundeshaus, die Kathedrale, und die Bläue des Sommerhimmels.

Später wieder unterm Kastaniendach, Pizza beim Brücken beck (danke an Andrea und Andy für diesen guten Tip!). Vor dem Gewitter nach hause, auf den Rädern, jeder ein Mädchen auf dem Kindersitz, und selbst die verwöhnte Charlotte nennt es einen Treat.

Tuesday, July 11, 2006

Fifi la grazi

Diesen Rat gab mir Erika, die Coiffeuse aus dem Erdgeschoss, als ich ihr erzählte, dass ich in den Ferien keine Haushaltshilfe habe. Fasziniert von der Melodik des Rats fragte ich nach dessen Bedeutung und erhielt zur Antwort, ich solle Fünf gerade sein lassen. Lang lebe Berndeutsch, denn besser hätte man es nicht sagen können!

Monday, July 10, 2006

Kochen, Putzen, Schreiben

So oder ähnlich meine Sommerpläne, nachdem alle Reisen abgesagt sind. Hierbleiben. Katzen versorgen. Mädchen ins Schwimmbad bringen. Nicht soo schlecht. Und eine Chance, fertig zu werden oder wenigstens weiterzukommen. Verzicht auf Umwege und unnötigen Stress. Simplify.

Friday, July 07, 2006

Das Buffet ist ganz in Ordnung, oder?

Abschied vom Kindergarten