Monday, October 24, 2005

Josefine beim Laternelaufen



Zusaetzlich zu den aus Bremen bekannten Laternen gibt es hier Raebeliliechtli. Man hoehlt eine kleine weisse Ruebe von saeuerlichem Geruch (an den Geschmack habe ich mich nicht herangewagt) mit einem Loeffel aus, ritzt, schneidet Muster in die Aussenhaut und stellt ein Teelicht hinein. Getragen wird mittels zweier Bindfaeden, die durch Ruebe und Deckel gefuehrt und verknotet werden. Das Reizvolle ist, dass es sich ohne Stab tragen laesst, es erinnert an den urspruenglichen Jack o lantern, der ein Stueck gluehende Kohle zum Herumtragen vom Teufel erhaelt und sich eine Rueb greift, um sein Licht ueberhaupt mitnehmen zu koennen.

Thursday, October 20, 2005

Sprachliches, Hoernchenreiter


Diesen froehlichen Gesellen fand ich auf einer Broetchentuete. Er passt gut zu einem Wort, das hier viel benutzt wird und das ich, bevor wir hierherzogen, lange nicht gehoert hatte: wenn etwas in Ordnung ist oder sogar ein bischen besser als gut, dann sagt der Berner, auch die Bernerin: tiptop.
Mein Lieblingswort ist der Naebu, der sich jetzt, herbstbedingt, oefter einstellt.
Josefine brachte gestern ein Wort aus der Kita mit, das wir mit not anymore oder sofort aufhoeren uebersetzt haben: nuemmae.

Sunday, October 16, 2005

Ungewaschenes Glueck

Sonntags bleiben die Maedchen und ich im Pyjama und sehen das Sonntagsmaerchen. Heute kommt der Gestiefelte Kater von 1955. Manchmal lesen wir die Geschichte dazu in unseren Maerchenbuechern nach. Dazu brutzelt etwas in der Roehre, es gibt Tee und Saft, vorher natuerlich die Maus. Sprechende Tiere, Waelder und das Bewusstsein, dass alles gut wird - wir sind rechte Taugenichtse am Sonntag vormittag.

Eines Tages werde ich meine Maerchenfilm-seh-erlebnisse aufschreiben, habe angefangen, Notizen zu machen (danke Oliver!). Die Faszination hat in meiner Kindheit begonnen, mir wurden Maerchen vorgelesen, bevor ich selber denken konnte und meine Leidenschaft gehoerte Samstag nachmittag Professor Flimmerich, der ab 14.55 Maerchenfilme zeigt. Jene Maerchen spielten mitunter im Sozialismus, junge Pioniere wechselten sich mit tapferen russischen Wanjas ab, die gegen die Babajaga mit ihrem trampelnden Haus kaempten.

Saturday, October 15, 2005

Kuerbiswetter


Kuerbissuppe im Hof. Aufraeumen. Spazieren. Vor der Kirche ist es hell und diesig. Die Blaetter haben die Maedchen gesammelt.

Friday, October 14, 2005

6 Wochen, Arbeit


Freitag, letzter Ferientag von Charlotte, ab Montag habe ich wieder Schreibtischzeit. Werde erstmal aufraeumen, meinen Handapparat herstellen, zum Schreiben liegen die Notizen schon bereit. Immer noch strahlend schoen, gestern Holz geholt, kalt genug zum Heizen ist es momentan nicht. Die Ferienwochen waren anstrengend und mitunter frustrierend fuer mich, wir haben auch einiges geshen, die Stadt etwas besser kennengelernt: Vatter am Baerenplatz, die Sandwichecke vom Migros, vor allem auch das Hallenbad am Hirschengraben. Gute Nachrichten gibt es von meiner Kamera: sie scheint nicht kaputt zu sein, offenbar liegt das Problem am Band. Also neues Band kaufen und ich kann wieder Filme machen. Ausserdem habe ich eine kleine Canon bestellt, so dass es in jedem Fall hier bald etwas bunter zugeht. Jetzt ab in den Mirgros nach Koeniz, Konsumentenpflichten rufen.

Wednesday, October 12, 2005

Finnigan und der Balkon

Es war das strahlende Herbstwetter, die Streunerseele, die allmaehlich in ihm erwacht, vielleicht aber auch nur unwiderstehliche Neugierde, die ihn trieb. Jedenfalls sprang Finnigan heute vom Balkon und sah sich die naehere Umgebung mal genauer an. Wir lasen ihn dann nach einer Stunde etwa wieder auf, er futterte sich voll und wollte gleich wieder los. Auf den ersten Blick hat er sich nichts getan. Jetzt ist er SEHR anschmiegsam und schlaflustig und SEHR zufrieden mit sich.

Unser Ofen

Tagsueber herrliches Herbstwetter. Abends verbrennen wir Holzscheite im Kaminofen und koennen gar nicht genug davon bekommen. Die Nachbarn von gegenueber lassen uns ihr Holz mitbenutzen, bis wir eigenes haben. Das beste soll es in der Nervenklinik Waldau geben, hinter Schwankdorf. Ausgerechnet. Dort war Robert Walser Gaertner und uberhaupt scheinen alle Schweizer Literaten mal dort gewesen zu sein, vgl. Matto regiert von Glauser.

Gebaeck


Auf dem Weg zu und von Josefines Kita gibt es eine Baeckerei, sogar 2 derslben Kette, Hirschi. Oft holen wir dort ein Croissant fuer Josefine, wenn sie das zMittag nicht mochte. Gestern habe wir uns an unbekannte Gebaeckstuecke gewagt: Zitronentoertli, Bienenstich. Vermicelli gab es auch, die sehen aus wie beiges Spaghettieis und sind zu dieser Jahreszeit sehr beliebt: Maronenmus. Besonders beeindrucken mich die glasierten Sandwiches, die wie kleine Kunstwerke aus geordnetem und gelegtem Gemuese auf Weissbrot-Butter-Schinkengrundlage die Auslage zieren. Die Fruechtekuchen sind nicht zu suess und eigentlich eine Mahlzeit fuer sich.
Das Backwerk wir einzeln und sorgfaeltig verpackt, ganze Kuchen und Torten kommen in eigene Kartons.

Wednesday, October 05, 2005

Nur auf Umwegen


War mit Charlotte im Paul Klee Zentrum. Strahlender Oktobertag, passte gut zu diesem neuen Zentrum mit seiner klaren einfallsreichen Architektur. Klee: weniger die einzelnen Bilder ziehen mich an, vielmehr ist es seine Seh- und Denkweise, die mich wieder in Bann zieht. Die Welt besteht aus Linien, Flaechen, Farben. Alle sind Elemente einer Komposition. Ausstellung Kein Tag ohne Linie, seine Krankheitsbewaeltigung.
Das Cafe ist ordentlich, der Aussenspaziergang enttaeuscht: bei Strafe ist es verboten, auf den Umrandungen zu balancieren. Nicht das kleinste bischen Spass soll man haben.
Monument Luftstation: ein erdiggruener Wandelgang nach oben, die triebfreudige Hainbuche als Hecke. Von oben der Blick auf den benachbarten Kinderfriedhof Schlosshalde. Die Graeber tragen weisse Kreuze, sind mit Windraedern besteckt und Spielzeuge liegen da. Charlotte und ich werden ganz ernst und sie fragt, warum Menschen sterben muessen. Wir betrachten die Steine und Pflanzen um uns herum.

Tuesday, October 04, 2005

Nachgetragene Sonntage

Waehrend die Woche meist mit Alltagsbewaeltigung und Arbeit vorbeigeht, haben wir nun schon an 2 Sonntagen Ausfluege gemacht.
Am 25. 9. haben wir den Thuner See gesehen, erst von links oben, mit Alpen dahinter, dann einmal aussenrum, an Interlaken vorbei, am See entlang, durch Tunnel, das Ganze wirkte ingendwie wie ein Wohnzimmer, dramatische Himmel, von Gunten am Wasser aus sahen wir Regen auf der anderen Seeseite (der spitze Berg heisst Niesen) und standen im Sonnenschein. Gunten gefaellt uns sehr gut, man kann mit dem Schiff hinfahren, Steine ins Wasser werfen, diesen spitzen Barg betrachten und ist in 30 Minuten ueber die Autobahn zurueck in Bern.

Paul Klees Sicht auf den Niesen.

Fast noch aufregender war der Ausflug ins Emmental am 2. 10. Wir landeten in Kemmeriboden, von wo aus nur noch kleine mautpflichtigen Straesslein in die Berge fuehren. Es regnete und regnete, nach Riesenprotionen heisser Pommes und Kaese stiegen wir noch ein Stueck hinauf, die Kinder voll Begeisterung vorneweg, ueberall fiel Wasser aus der Hoehe herab, Schmadribachfaelle en miniature und unten die tosende Emme. Die Maedchen vergassen ganz, dass sie ueberallhin immer getragen werden wollen und liefen von Fall zu Fall, sammelten Stein um Stein.

Literatur

Die 5. Woche beginnt, Zeit, zurueckzuschauen und zu ueberlegen, was in der Vorbereitung hilfreich war. Vor allem 2 Autoren in den Monaten vor dem Unzug: Friedrich Glausers Studer-Romane und Pascal Merciers Nachtzug nach Lissabon.
Vor sehr langer Zeit einmal: alles, was von Robert Walser damals gedruckt war.

Die Reisefuehrer, die ich zum Geburtstag bekommen habe, sind sicher auch alle sehr gut, leider liegen sie in einer der Kisten im Keller. Wir haben ein kleines Buechlein mit Wanderwegen um Bern und schlagen uns damit ganz gut durch.

Die zumeist als literarische Kronzeugen fuer die Schweiz aufgerufenen Frisch und Duerrenmatt muss ich erst noch wiederentdecken, die Lektuere ist noch mit Schul-Lektuere-Mief ueberzogen.

Klees Bild Engel der Geschichte, der Briefwechsel Scholem-Benjamin ueber Muri.

Typographisch: Frutiger ein ziemlich gegenwaertiges Baugeschaeft. Die Helveticakrise.

Farblich: Itten.

Monday, October 03, 2005

Rueckkehr ins Wasser

Oft scheint es mir als die beste Moeglichkeit dert Wiederherstellung meiner Kraefte. Wie das Erinnern an eine vorige Lebensform.

Hier ein Handtuchmuster aus der Berner Leinenweberei. Glaenzt jetzt in unseren beiden Badezimmern: Waerme fuer den Winter.